Was in den meisten Medien eher als beiläufige Meldung veröffentlicht wurde, würde ich gerne noch einmal aufgreifen, da es meiner Meinung nach extreme Chancen in sich trägt:

Die Einführung eines sogenannten ‚Öko-Preisschilds’, wie sie Umweltministerin Hendricks diese Woche vorgeschlagen hat. Ein Preisschild also, dass die Kosten für Umwelt und Gesellschaft widerspiegelt.

REWE Bio, BioBio, Bioness, Biotrend und und und. Jede Handelskette, die etwas auf sich hält, hat mittlerweile ein eigenes Bio-Siegel. Hinzu kommen diverse Labels für andere Bereiche des täglichen Lebens. Das kommt nicht von ungefähr: Geht es um das Thema liest man immer wieder, dass gerade wir Deutschen Verbraucher uns wie kaum ein anderes Land beim Konsum gerne von Siegeln und Labels beeinflussen lassen. Daran ist nichts Verwerfliches zu sehen. Ganz im Gegenteil, meist steht ja ein guter und sinnvoller Gedanke dahinter: der Wunsch nach guter Qualität, ökologischer Erzeugung oder möglichst wenigen Schadstoffen.

Das Problem: Es gibt bei den wenigsten Siegeln und Labels klare und verbindliche Anforderungen oder gesetzliche Standards.

Wenn man es also schafft gesetzliche Standards für verschiedenste Labels, Zertifikate & Gütesiegel einzuführen und zu etablieren, dann könnten damit meiner Meinung gleich mehrere grundlegende Probleme unserer Gesellschaft gelöst werden.

  • Man denke zum Beispiel an einzelne Produkte, die einmal quer um den Globus gekarrt werden und aufgrund der Massenproduktion immer noch günstiger sind als das vergleichbare Produkte aus der Region. Dem Konsument ist es beim Einkauf allerdings oft nicht möglich, den ‚ökologischen Fussabdruck‘ des jeweiligen Produkt nachzuvollziehen. 
  • Oder an die Debatte um die katastrophal niedrigen Milchpreise. Ich kenne viele Menschen, die bereit wären einen höheren Betrag zu zahlen, wenn sie sich auch sicher sein könnten, dass dieser Mehrbetrag tatsächlich beim jeweiligen Milchbauern ankommt und nicht für die Werbung der Marke aufgewendet wird, um ein Bild vom angeblich idyllischen Bauernhof oder einem anderen landliebenden Hersteller zu zeichnen. 
  • Genauso hält es sich mit dem Kauf von Textilien. Bei der Jeans für 9,99€ kann man vielleicht noch selbst erkennen, dass diese wohl kaum unter anständigen Bedingungen produziert wurde. Leider ist im Umkehrschluss aber auch ein wesentlich höherer Preis für Markenjeans kein Kriterium für die Einhaltung von Produktionsstandards oder ökologischer Auflagen. Meist kommen diese Produkte dann einfach aus der benachbarten, ebenfalls baufälligen Produktionshalle in Bangladesh. Und der Zusatzpreis steigert lediglich die Marge des Herstellers, wird für Markenbildung oder exklusive Boutiquen aufgewendet. 

Ich bin absolut kein Fan großer staatlicher Eingriffe, aber ich glaube, dass eine Reformierung und transparente Etablierung von Gütesiegeln in ausgewählten und geeigneten Bereichen hier einen guten Zwischenweg markieren könnte, weshalb ich den Vorstoß der Umweltministerin durchaus gut finde. 

Denn alleine in meinem persönlichen Umfeld kenne ich viele Menschen, die bereit wären ein bisschen mehr Geld auszugeben, wenn sie so ihren sicheren Beitrag dazu leisten könnten, trotz Globalisierung ökologische und soziale Standards einzuhalten. So könnte man den Konsum ohne staatlichen Eingriff in sinnvolle Bahnen lenken, indem man es dem Verbraucher erleichtert nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Und das bei der gleichzeitigen Beibehaltung aller marktwirtschaftlichen Freiheiten, denn jeder, der sich diese Produkte nicht leisten kann oder will, ist zu keinem Zeitpunkt gezwungen sein Konsumverhalten zu ändern. 

Kurzgesagt: Produkte, die die Anforderungen erfüllen, erhalten das jeweilige Siegel. Produkte, die sie nicht erfüllen, eben nicht. Dann ist es an jedem selbst zu entscheiden, ob er mehr Wert auf Nachhaltigkeit oder den niedrigen Preis legen möchte. 

2 Gedanken zu “Das unterschätzte Potential von Gütesiegeln, Labels & Co.

  1. Das mit den Siegeln ist so eine Sache, es gibt da eine starke Lobby, die so etwas verhindern will. Ich erinnere nur an die Initiative der sog. „Lebensmittelampel“ zu Zucker/Fett und Salzgehalt von Lebensmitteln…So sinnvoll das sein mag, die Lobby hats verhindert – und auch dieses wird im Sande verlaufen… Aber z.B. Erdbeeren auch Chile sind eben ökologisch zweifelhaft, da muss man eben noch selber denken und kann sich auf kein Label verlassen-

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    1. Hi Spunk123, danke für den Einwand!

      Ja, es stimmt, dass die Lobbyisten da leider großen Einfluss haben. Ich glaube auch nicht, dass es einfach ist ein solches System einzuführen. Ich halte es aber für sehr sinnvoll und es ist für mich Ideal, das sich anzustreben lohnt – trotz aller Widerstände. 😉

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