Zwei Tage lang konnte man sich nun die zahlreichen Erklärungsversuche der verschiedenen Parteien anhören. Sie sind so unterschiedlich wie unzutreffend.

12,6% haben die AfD gewählt. Und wir alle sollten uns einig sein, dass diese 13% der Bevölkerung keineswegs alle als Rassisten abzustempeln sind. Ja, ein gewisser Teil der Wähler als auch der nun in den Bundestag einziehenden Abgeordneten ist leider genau das. Aber eben nicht der Großteil. Und wir sollten uns in den nächsten vier Jahren davor hüten auch hier alle in einen Topf zu werfen.

Die entscheidende Frage, die die Politik sich nun endlich stellen muss lautet aber: Wieso haben dann auch so viele nicht-rassistisch eingestellte Bürger diese Partei gewählt? Und genau dieser Frage stellen sich viele der politischen Vertreter nicht.
Auch wenn ich mich keineswegs darüber freue welche – in vielen Fällen nachgewiesen – rassistisch und völkisch denkende Abgeordnete nun in unser höchstes Parlament einziehen sind diese 12,6% nicht unser größtes Problem. Unser Problem liegt vielmehr darin, welches Wählerpotential solche Parteien zukünftig noch haben und dabei muss sich die Politik im Großen wie auch im Kleinen an die eigene Nase fassen. Ich habe mich im letzten Jahr mit extrem vielen Menschen über Politik unterhalten. Und von Union über SPD, FDP, Grüne und Linke bis hin zur AfD verbindet viele Menschen etwas: ungeachtet der politischen Standpunkte sind sie angeekelt und genervt vom Politikstil manches Würdenträgers.
Der Großteil dieser Menschen ist extrem demokratisch eingestellt und hat nicht AfD gewählt. Trotzdem kann man bei fast keiner der Personen davon sprechen, dass sie überzeugt waren von ihrer getroffenen Wahl. Es war vielmehr das Auswählen des geringsten Übels, um noch schlimmeres Übel zu verhindern. Wir alle wundern uns gerne über Brexit, Trump und weitere aufstrebende populistische Strömungen. So weit sind wir in Deutschland zum Glück noch nicht. Doch manchem Politiker muss klar werden, dass die Appelle an humanitäre Werte sich irgendwann verbrauchen, unglaubwürdig wirken und auch den demokratischsten Menschen nicht mehr überzeugen, wenn die Personen, die sie transportieren selbst keine weiße Weste haben.
Und dabei will ich noch gar nicht davon sprechen, was passiert, wenn unsere Wirtschaft irgendwann mal nicht mehr derart brummt wie sie es aktuell tut. Denn Wohlstand ist eine der wichtigsten Grundlagen für politische Stabilität. Und wenn der mal abnimmt, dann fallen viele Parolen auf noch viel fruchtbareren Boden.
Nun hat die Politik vier Jahre Zeit etwas zu ändern. Wenn sie das nicht tut, wird es 2021 erst wirklich düster.

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