Hallo Marcus Held,

auch wenn ich von der inflationären Verwendung von Rücktrittsforderungen in der Politik wenig halte – selbst von dir habe ich einen solchen bisher noch nicht gefordert – so nötigen mir Rücktritte in den meisten Fällen eigentlich zumindest ein Mindestmaß an Respekt ab. Immerhin zeugen sie in der Regel von Einsicht. Vom Eingestehen eigener Fehler. Von der Übernahme von Verantwortung.

Eigentlich.

Denn in deinem Falle hat leider sogar das keine Gültigkeit. Denn der kommunizierte Rücktritt ist ja nur die Hälfte wert. Monetär gesehen sogar noch weit weniger, denn das im Vergleich zu den Oppenheimer Posten noch wesentlich lukrativere Bundestagsmandat inklusive der Pensionsansprüche behältst du trotz aller Enthüllungen.

Respekt und Demut gegenüber dem politischen Amt und den Bürgern sieht leider anders aus. Vielsagend ist neben dem nur halben Rücktritt für mich aber vor allem ein Detail in der Erklärung: „Kein Schuldeingeständnis“. Denn diese Formulierung sagt vor allem eines aus: Dass du noch immer nicht erkannt hast, worum es vielen Menschen bei den Vorwürfen gegenüber dir eigentlich geht. Vielen geht es eben nicht ausschließlich um die strafrechtliche Relevanz deines Verhaltens.

Deshalb greift auch das von dir und deinen Mitstreitern ständig wiederholte Mantra es dürfe keine „Vorverurteilung“ geben viel zu kurz. Und folglich stünde dir die Deutungshoheit, die du offenbar noch immer für dich beanspruchst, nur dann zu, wenn sich herausstellen würde, dass alle vorgebrachten Vorwürfe vollkommen frei erfunden wären. Das darf wohl bezweifelt werden.

Die katastrophale Haushaltsführung mit Goldringen und finanziellen Gefallen an Parteigenossen ist das eine. Den meisten ist hier übrigens klar, dass du dafür nicht alleine verantwortlich bist.

Doch eine ganz andere Hausnummer ist der selbstgefällige und abgehobene Umgang mit allen zu Tage geförderten Vorwürfen der letzten Monate, der in erster Linie immer auf der Diffarmierung der jeweiligen Kommunikatoren und weniger auf der sachlichen und inhaltlichen Entkräftung der Vorwürfe basierte. Das ist schwach. All das könnte man mit viel gutem Willen aber noch als weitere Fehler in einer sicher nicht einfachen Situation ansehen. Charakterlich fragwürdig wäre es aber natürlich auch schon.

Doch die Enthüllungen um das Ausnutzen des eigenen (vom Bürger gegebenen) Amtes zum persönlichen Vorteil in einer solchen Größenordnung ist weit mehr als nur fragwürdig. Es ist der letzte Mosaikstein, der auch in mir jegliche gesunden Selbstzweifel beseitigt und mich in meinen Eindruck bestätigt, dass dir die charakterliche Eignung für die Volksvertretung im deutschen Bundestag schlicht fehlt. 

Vermutlich magst du diese Zeilen kurz überfliegen und dich nun fragen, was ich mir an dieser Stelle als junger Kerl eigentlich anmaße. Das kann ich dir nicht mal verdenken. Doch als Bürger aus dem Wahlkreis erwarte ich hiermit schlicht, dass du für dein Handeln endlich wirkliche Verantwortung übernimmst und von deinem Amt als Bundestagsabgeordneter der Bundesrepublik Deutschland zurücktrittst. Bei allem Respekt vor der (wirklich) schönen Stadt Oppenheim ist mir das persönlich viel wichtiger als all deine kommunalen Ämter.

Warum? Das habe ich dir schon einmal persönlich geschrieben. Und da sich inhaltlich (leider) Nichts geändert hat, möchte ich das an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung rufen:

„Du schreibst dir auf die Fahnen ein Gegner des Rechtspopulismus zu sein. Mit dem Verhalten bist du meines Erachtens aber – bei allen Verdiensten und vermutlich ohne es zu bemerken – einer seiner größten Wegbereiter. Das mag martialisch und übertrieben klingen. Unterhält man sich aber mal ernsthaft und abseits von Parteienzugehörigkeit mit Menschen über Politik, so stellt man fest, dass das die Realität durchaus abbildet.

Denn genau das ist das Verhalten, welches viele Bürger das Vertrauen in die Politik verlieren lässt. Und das gilt bei weitem nicht nur für als „Ewiggestrige“ oder „Abgehängte“ diffamierte Bürger, sondern auch für einen Großteil der gemäßigten Menschen in Deutschland. Jede dieser stark zu hinterfragenden Aktionen lässt diese Menschen zweifeln und führt auf Dauer zur Destabilisierung unseres politischen Systems.“

– eMail an Marcus Held vom 20.11.2017, 19:47 Uhr.


Abschließend möchte ich allerdings noch etwas betonen. Ich bin der Auffassung, dass jeder Mensch irgendwann eine zweite Chance verdient hat. Das gilt selbstverständlich auch für dich.
Die Grundvoraussetzung dafür ist aber der konsequente Rücktritt von dem Amt, zu dem dich die Menschen aus Partei und Wahlkreis bei früherem Bekanntwerden deiner Machenschaften nie gewählt hätten. Und langfristig das Erkennen der eigenen Fehler und eine glaubhafte Läuterung. Angesichts deines Umgangs mit all den Vorwürfen bin ich mir allerdings nicht sicher, ob das die verzerrte Selbstwahrnehmung, vor allem aber die Selbstherrlichkeit – die aus vielen Handlungen und Äußerungen der letzten Monate spricht – wirklich zulässt.

Christian Bachmann.

Inhaltlich mitgetragen von:

Jörn Butterfass (Dexheim) – Albert Bachmann – Fabian Bernhard – Hubert Horn – Nico Schneider – Chris Best – Nils Kühne – Philipp Schmitt – Anett Raabe (Uelversheim) – Marcel Schroth – Anja Griesbaum – Lukas Horn – Harry Braum (Nierstein) – Jürgen Koch (Dalheim) – Friedhelm Schmitt (Nierstein) – Christiane Horn – Marian Brückner – Johannes Gerhard – Sven Brückner – Niklas Brückner – Hannah Manz – Fenja Wehrheim – Jannis Tauchert (Nackenheim) – Maurice Lampert (Dienheim) – Stephan Benz (Nierstein) – Armin Feldmann (Selzen) – Stefanie Strub – Dominik Fischer – Daniela Lerch – Cora Navratil – Stefan Friedrich – David Gerhard – Rebekka Hill (Uelversheim) – K. Scherning – Volkmar Kröhl – Indre Stay – Stefan Stay – Beate Hill – Irmgard Bachmann – Dominik Köhler – Joelle Ernst – Sarah Hofstetter – Andreas Brosi (Nierstein) – Ronny Best – Bernd Harth-Brinkmann – Sabrina Hoffmann – Volker Schneider – Jutta Hoff – Josef Völker (Oppenheim) – Astrid Best – Tobias Hartmann – Markus Haase (Oppenheim) – Bernd Uhl (Dalheim) – Dr. Michael Anheuser – Martin Müller-Haeseler – Melanie Loos – Georg Bienroth (Oppenheim) – Peter Pfau (Oppenheim) – Jutta Gärtner (Schwabsburg) –
Franz-Josef Kolb – Ralf Meyer (Gimbsheim) – Engelbert Sauter (Dalheim) – Markus Frieauff (Nierstein) – Rainer Ebling (Oppenheim) – Steven Walkowiak – Ralf Weber (Osthofen) – Pia Johannson (Nierstein) – Fritz Eitel – Sebastian Best – Gertrud Bachmann – Celine Ernst – Beate Bienroth – Stefanie Müller-Gerhard (Oppenheim) – Gabriela Richter (Oppenheim) – Gunter Landbeck (Hillesheim) – Thomas Heier (Köngernheim) – Simone Raber (Oppenheim) – Marion Schwarz – Marc Diemer – Dirk Berges – Stefan Burkhard (Weinolsheim) – Hans Wehrheim – Kirsten Blüm – Klaus Hagemann jun. (Weinolsheim) – Dan Kokoscha – Ralf Ranzenberger – Dietmar Muscheid – Natascha Kähler – Theo Drodten – Frank Becker – Martin Pfennig – Mario Sander – Annette Nastas – Sandra Kittel – Klaus-Peter Haas (Dorn-Dürkheim) – Kerstin Veser – Johannes Weise – Dirk Strauch – Andrea Manz – 100 – Evelyn Becker – Marita Ranzenberger – Jörg Bienroth – Stephanie Kolb-Flothow – Silke Strauch – Christoph Tornier – Dagmar Friedrich – Sigi Huff – Walter Manz – Christian Schenk (Oppenheim) – Michael Hirsch (Hahnheim) – Marco Zupancic – Jens Mansmann (Dalheim) – Christian Diener – Beate Haub – Jan Ruzycki (Hahnheim) – Anne Fender – Karl-Heinz Friedrich (Oppenheim) – Silke Mittermeier – Konstantin Guntrum (Nierstein) – Reiner Dillmann – Anika Pries – Stefan Dörr (Dorn-Dürkheim) – Johannes Horn – Stephanie Steichele-Guntrum – Susanne Jubelius – Stephan Arnold – Silke Güttler – Martina Pfeifer – Horst Schlicht – Ursula Schlicht – Hans-Georg Keßler (Gau-Bischofsheim) – Helga Lösch – Debora Kolb – Wolfgang Raber – Ursula Wilbert – Elsbeth Seeger – Frank Seeger – Siegfried Seeger – Heiko Koch – Christian Lohmüller – Christiane Harsleben – Ralf Gerhard – Markus Schäfer – Sabine Schäfer – Axel Dahlem – Bianca Quessel – Nadine Koch – Haide Schmuck-Hahner (Undenheim) – Sabine Kunz – Rebecca Horn – Jutta Szymkowiak – Thomas Fleck – Susanne Kehder-Braum – Brigitte Schiltz – Jürgen Hoff – Renate Berens – Gabriele Staab (Köngernheim) – Rainer Struckmeier – Andreas Jung (Ludwigshöhe) – Angelika Hamm – Jutta Butterfass – Bernd Brinkmann (Oppenheim) – Thomas Bischmann (Wintersheim) – Annette Rogles – Harald Laubenheimer –

… – [hier kann Dein/Ihr Name stehen] – …

Wer das sonst noch inhaltlich mittragen möchte,
den ergänze ich nach einer kurzen Nachricht gerne.

10 Gedanken zu “Offener Brief an Marcus Held: Forderung nach Rücktritt als MdB.

  1. Wenn noch ein Restbestand von Charakter vorhanden ist, dann sollte Marcus Held den schleunigst aktivieren und sein Bundestagsmandat niederlegen. Er bedient mit seinem Verhalten und Handeln die Vorurteile, die in Stammtischparolen beschleunigt werden und in Wählerstimmen für die AFD enden. Er ist weder ein positives Vorbild für die Jugend noch für den Rest der Bevölkerung.

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  2. Gut geschrieben! Politik und Volksvertretung lebt nicht von juristischer und politischer Correctness. Diese ist Hygiene und bildet nur die Basis. Unsere politischen Vertreter erhalten durch unsere Wahl das Mandat unseres Vertrauens und Zutrauens. Dies ist im Falle Marcus Held nicht nur zerstört, sondern auf perfide Art und Weise unterhöhlt. Der angerichtete Vertrauensschaden hat Ausmaße, die wir heute nur erahnen oder fürchten. Ich will in diesem Zusammenhang nicht mehr von Charakter und Erwartungen sprechen. Zu vieles ist bekannt. Das Bekannte zeichnet im Einzelnen und in der Summe ein charakterliches Bild. Bei allem gebührenden menschlichen Respekt vor Marcus Held ist der angemessene Zeitpunkt für einen Rücktritt schon lange vorbei. Die Macht ist ein klebriges Geschäft.

    Mein Opa pflegte es einfach aber klar auszudrücken:
    Bub, was Du Dir einbrockst, musst Du auch auslöffeln. Steh dazu!

    In dem Sinne, Herr Held, bitte beenden Sie diese Farce und übernehmen sie die ganzheitliche persönliche und politische Verantwortung mit all‘ Ihren Ämtern.

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  3. Bitte tritt zurück. Das ist mehr Aufforderung als Bitte!
    Ich möchte von solch einem Menschen im Bundestag nicht vertreten werden. Das du parallel zu allen jetzt krank bist tut mir leid. Gute Besserung!

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  4. Dem Inhalt dieses offenen Briefes stimme ich voll und ganz zu. Wichtig und sinnvoll wäre auch, daß dieser Brief auch über die FAZ veröffentlicht wird !!!

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  5. Es bleibt ja nicht nur das Handeln des MH, sondern auch auch das Nichthandeln unserer „Landesmutter“ die ja zufällig dem gleichen „Stall“ angehört wie Herr Held. Wäre es nicht Ihre Aufgabe (und Pflicht) in solch einem gravierendem Fall zumindest Einfluss zu nehmen?

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  6. Vor der Wahl zum Bürgermeister im Jahre 2004 habe ich Marcus Held während einer Veranstalrung in der Landskronhalle gefragt, ob er sich für die Zukunft eher als ein integrierender oder als ein spaltender, politische Gegensätze verschärfender Bürgermeister sehe. Nun entgegen seiner damaligen Antwort wissen wir heute, welchen Zerreißproben er die kleine Stadt Oppenheim ausgesetzt hat. Damals waren ich und andere von seinem Schwung angetan und haben ihn unterstützt.
    Nachdem wir im Oktober 2017 nach neunjähriger Abwesenheit zum beibehaltenden Hauptwohnsitz Oppenheim wieder dauerhaft zurückgekehrt sind, wurden wir schnell über die Veränderungen in der alten Heimat informiert. Die Entwicklung von Herrn Held ist eine schmerzliche Enttäuschung, die Initiative von Herrn Axel Dahlem dagegen ein aufmunterndes Beispiel für demokratisches Handeln der Bürger Oppenheims.
    Bis auf die Bemerkung zu den goldenen Ehrenringen der Stadt, stelle ich mich hinter die in Ihrem Brief getroffenen Aussagen. Wegen der Ehrenringe hat sich für mich nachdem ich im Januar einer Sitzung des Finanz- und Haushaltsausschusses zugehört habe, ein etwas differenziertes Bild ergeben. Gleichwohl wurde beschlossen, zukünftig die Anerkennung langjähriger Mitarbeit im Stadtrat finanziell bescheiden zu gestalten.

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